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EINLEITUNG
Armenien 2004/2005
Die Armenier sind ein verfolgtes und zerstreutes Volk, in dieser Hinsicht den Juden ähnlich. Ihre politische Geschichte ist aber viel zu komplex, um sie hier zu skizzieren. (Eine gute und recht detaillierte Übersicht in Thierry, s.u.) Sie standen oft unter fremder Oberherrschaft, z.B. der Römer, der Byzantiner u.a.m. Und sie verloren einen großen Teil ihres einst sehr ausgedehnten Reichs, das sich vom Fuß des Kaukasus bis nach Anatolien (Vaspurakan, Van-See, Achtamar) erstreckte. Heute ist ihr Staatsgebiet stark eingeschnürt und von feindseligen, auch muslimischen Nachbarn umgeben. Die Armenier rühmen sich, der erste Staat zu sein, der das Christentum als Staatsreligion durch „Grigor den Erleuchter“ angenommen hat (302, was aber Historiker in Zweifel ziehen). Der Heilige ist eine zentrale Figur in der Gründungslegende des christlichen Armenien. Das muss man nachlesen (s. auch Bildlegenden zum Album Xor Virap; kurzer Bericht bei Dum-Tragut S.84f., auch Donabédian-Thierry und ausführlich in Thierry).
Seit Armenien 1991 aus der Sowjetunion ausgetreten und die volle Selbständigkeit erlangt hat, ist das Land verarmt. Es besitzt kaum Bodenschätze – mit dem „schwarzen Gold“ Obsidian kann es nicht reich werden -, und die Erträge der Landwirtschaft sind durch die Höhenlage begrenzt.
Ich habe Armenien 2004 und 2005 besucht.
Dabei entstanden viele Bilder, von denen eine Auswahl eingestellt wird.
Um die Daten- Belastung klein zu halten, werden abwechselnd Alben in die Home Page gestellt. Ich habe keine künstlerischen Ambitionen beim Fotografieren. Ich will festhalten, was ich sehe. Aber jeder Besucher wird es anders sehen. Mein Interesse gilt vor allem der Kirchenbaukunst vor dem Hintergrund der armenischen Geschichte. Wer freilich auf das Monumentale fixiert ist, Pyramiden und Renaissancepracht, ist in Armenien fehl am Platz.
Zu Armenien gibt es Bücher mit hervorragenden Abbildungen und ausführlichen Texten. Da ich kein Armenienforscher bin, beziehe ich meine Kenntnisse aus diesen Büchern und den Erläuterungen kundiger Reiseführer, die in Armenien eine sehr gründliche Ausbildung absolvieren müssen. Ich liste auf, was mir nützlich war:
Patrick Donabédian, Jean Michel Thierry,Armenische Kunst. erschienen in der Reihe ARS ANTIQUA bei Herder, Freiburg et al. 1988. (In Bildlegenden zitiert als AA) – Ein Buch mit großartigen Farbtafeln und speziellen Teilen zu den Künsten, ausführlicher Text.
Jean-Michel Theorry, Armenien im Mittelalter. Verlag Schnell&SteinerZodiaque 2002.
Armenien. Wiederentdeckung einer alten Kulturlandschaft. Katalog der Ausstellung im Museum Bochum 14.1. bis 17.4.1995 (zitiert als BO). – Essays, die den damaligen Stand der Forschung darstellen, Texte zur Architektur, den Chatschkaren (Kreuzsteinen) und Miniaturen, auch zur modernen armenischen Kunst. (Aber gelegentliche Fehler.)
Jasmin Dum-Tragut, Armenien entdecken. 3000 Jahre Kultur zwischen West und Ost. Trescher-Verlag Berlin 2004. – Ein sehr inhaltsreicher und nützlicher Reiseführer, auch für Alleinreisende.
Beiträge zur armenischen Baugeschichte. Band 1. Universität Kaiserslautern 2001
In der Buchhandlung am Matenadaran in Eriwan kann man viele Bücher zu Armenien erwerben. Sehr schön sind vom Matenadaran publizierte Sammlungen armenischer Illuminationen bedeutender Maler, mit sehr guten Abbildungen und Informativen Texten. Ich habe zur Verfügung einige Bändchen der von B. Chookaszian herausgegebenen Reihe „Armenian miniature“:
Avag, ein Künstler aus Ost-Armenien (Gladzor, im 14. Jh).
Toros, Taronatsi, ebenfalls in Gladzor wirkend (14.Jh).
Sargis Pitsak, ein Künstler, der im armenischen kilikischen Königreich gearbeitet hat (14.Jh)
Grigor, Illustrierte das „Übersetzer“ Evangelium 1232; der Name rührt vom Namen des Klosters her, das in der Nähe von Gandzak lag. (Gandzak lag südlich des Urmiasees in Persien.)
Tzerun. Um die Wende vom 14. zum 15. Jh arbeitete dieser sehr bekannte Künstler in West-Vaspurakan (ein Gebiet, das heute zur Türkei gehört)
Wer sich ernsthaft mit der armenischen Geschichte und Kunst befassen will, sollte sich auch für die Bibliothek des armenischen Patriarchats in Jerusalem interessieren, das vor allem Schätze aus dem verschwundenen und kaum noch gekannten armenischen Königreich in Kilikien bewahrt. Die Bedeutung der Bibliothek der armenischen St. Jakobskathedrale in Jerusalem kann sich mit dem Matenadaran in Eriwan durchaus messen. Dazu:
Armenische Kunst. Die faszinierende Sammlung des armenischen Patriarchats in Jerusalem, Hrsg. Bezalel Narkiss. Verlag Belser Stuttgart-Zürich 1982
Dazu auch das Kapitel über das Königreich Kilikien in BO S.175ff.
Aus der Zeit der Sowjetunion gibt es ebenfalls gute Bücher über Armenien:
- Armenische Buchmalerei der 13. und 14. Jahrhunderts aus der
- Matenadaran Sammlung Jeriwan. Texte von Emma Korchmasjan,
- Trina Tramjan, Graward Akopjan. Aus dem Russischen übertragen
von Lew Dimenstein. Aurora Kunstverlag, Leningrad 1964.
Anmerkung: Die Übersetzung armenischer Namen ins Deutsche st nicht exakt normiert. Das armenische Alphabet hat 33 Buchstaben. Kritisch ist ein Buchstabe, der dem französischen Rachen “r“ entspricht. Man findet es in der Literatur als Sonderzeichen (so bei Donabédian-Thierry als quergestrichenes L), oder als „ch“ (wie ach) z.B. bei Achtamar, oder auch als „gh“, was ich verwende (z.B. Kloster Geghard). Ich habe aber festgestellt, dass die Armenier selbst das im Umgang nicht so genau nehmen. Mit „ch“ liegt man nicht verkehrt. Und Vorsicht: Sucht man im Namenverzeichnis, muss man flexibel sein. So findet man z.B. möglicherweise „Hrispine“ nicht unter „H“, sondern unter „S“. „Surb Hrispine“ – „surb“ „heilig“. Auch das „ch“ wie „ach“ wird unterschiedlich transkribiert: Man liest Chatschkar und Khatschkar.
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